Rummelsberger Diakonie fordert "Leitkultur der Mitmenschlichkeit"

Im Bild Diakon Werner Pfingstgraef, Fachbereichsleiter Migration und Flüchtlinge, Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche und Vorstandsvorsitzender Dr. Günter Breitenbach.
Bildrechte: Andrea Wismath

Nürnberg - "Wir wünschen uns nichts sehnlicher als eine Rückkehr zu einer seriösen politischen Debatte und zu einer Leitkultur der Mitmenschlichkeit in unserem Land." Das fordern Dr. Günter Breitenbach und Prof. Dr. Stefan Ark Nitsche im Namen des Vorstands und des Aufsichtsrats der Rummelsberger Diakonie in der aktuellen Flüchtlingsdiskussion. Die beiden hatten mit Diakon Werner Pfingstgraef, Fachbereichsleiter Migration und Flüchtlinge der Rummelsberger Diakonie, am Montag, 16. Juli, zu einem Pressegespräch nach Nürnberg eingeladen. Ziel: Eine klare Positionierung in der immer schärfer geführten Debatte über die Themen Asyl, Flucht und Migration. Breitenbach und Nitsche beklagen eine zunehmende "Verhärtung" der Diskussion. Dieser Entwicklung treten die beiden mit zehn Thesen entgegen (hier in der Kurzfassung - Langfassung unter Download):

  1. Die Rummelsberger Diakonie engagiert sich seit Jahrzehnten in der Flüchtlingshilfe.
  2. Der christliche Auftrag "Fremde beherbergen" ist für uns nicht verhandelbar.
  3. Fragen der Wirtschaftlichkeit spielen eine nachgeordnete Rolle in der Flüchtlingsdiskussion.
  4. Wir brauchen Instrumente der Zuwanderungssteuerung.
  5. Unsere Verantwortung endet nicht an unseren Grenzen.
  6. Wir stehen als christlicher Träger für die Wahrung der Werte in unserem Land.
  7. Sicherheit und Ordnung zu schützen, ist Recht und Pflicht des Staates und aller Bürgerinnen und Bürger.
  8. Von der verschärften Abschiebepraxis sind wir in unserer Arbeit unmittelbar betroffen.
  9. Vorrang hat die Integration durch Bildung und Arbeit.
  10. Bei aller Bedeutung der Flüchtlingsproblematik - es gibt auch andere wichtige Themen.

Auch die sogenannte 3+2-Regelung war Thema beim Pressegespräch. Diese besagt, dass Asylsuchende nach ihrer Ausbildung (die dauert meist drei Jahre) noch zwei Jahre in Deutschland bleiben dürfen, auch wenn ihr Asylantrag in der Zwischenzeit abgelehnt worden ist. Diakon Werner Pfingstgraef berichtete davon, dass diese Regelung seiner Erfahrung und der der Mitarbeitenden im Fachbereich Migration zufolge in Bayern äußerst restriktiv ausgelegt werde. "Die Menschen erhalten in Bayern erst gar keine Ausbildungsgenehmigung, selbst wenn ein Betrieb sie unbedingt einstellen möchte", sagte Pfingstgraef. Das lasse nicht nur die Asylsuchenden und die Betriebe ratlos zurück, sondern auch die Mitarbeitenden und ehrenamtlich Engagierten. "Sie verstehen nicht, warum junge Menschen, die lernwillig sind, die Sprache lernen und sich integrieren, keine Ausbildung machen dürfen", so der Diakon.

Breitenbach und Nitsche sehen hier Handlungsbedarf: "Gegen den Trend fordern wir weiter mehr Möglichkeiten zur beruflichen Integration auch für Geduldete und Möglichkeiten des Spurwechsels, auch für gut sozialisierte Jugendliche ohne Asylrecht." Dies gebiete nicht nur die Humanität, sondern auch die Bedarfslage der Wirtschaft, mit deren Verbänden man hier in voller Übereinstimmung stehe, betonte Vorstandsvorsitzender Breitenbach.

Mit Blick auf die Wahl des Landtags in Bayern im September schlossen Breitenbach und Nitsche das Pressegespräch: "Bei aller Bedeutung der Flüchtlingsproblematik - es gibt auch andere wichtige Themen. Wir distanzieren uns von allen, die dieses so sensible Thema für eigensüchtige Interessen missbrauchen und es in den Mittelpunkt ihres politischen Selbstverständnisses stellen." Es sei Zeit, zu einer seriösen politischen Debatte und zu einer Leitkultur der Mitmenschlichkeit zurückzukehren.

Andrea Wismath, Rummelsberger Diakonie e.V.

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